Fertig modelliert heißt nicht fehlerfrei
Welche Abweichungen vor der Freigabe auffallen müssen und welche nicht
Ein Modell kann fertig aussehen und trotzdem Fehler mitbringen: falsches Material, ein veraltetes Gewicht, Zoll statt Millimeter. In der Konstruktion stört das selten. Teuer wird es, wenn solche Abweichungen in Fertigung, PDM, PLM oder ERP weiterlaufen.
Wer Modelle prüfen will, braucht deshalb zwei Dinge: eine Vorstellung davon, welche Art von Fehler vorliegt, und eine Regel, wie streng damit umzugehen ist.
Aus der Anwendungsberatung: Holger Dachroth
Woran man die vier Arten erkennt
Flüchtigkeitsfehler entstehen nebenbei: falsches Material, überschriebene Farbe, sichtbarer Schwerpunkt oder sichtbare Arbeitsgeometrie, nicht aktualisierte Stile, eine negative Masse, ungenutzte Skizzen, ein nicht aktuelles Gewicht.
Nicht optimale Vorgehensweisen liefern ein richtiges Ergebnis auf einem ungünstigen Weg: sehr viele Linien in einer Skizze, ein nicht fixiertes erstes Bauteil, Adaptivität, Rundungen zu früh im Modellbaum, ausmodellierte Lochbleche, zu große Dateien.
Konvertierungsfehler zeigen sich in Einheiten und Normen: Pfund und Zoll, alte Stile, veraltete Schriftköpfe, Bemaßungsstile außerhalb der Norm, Zeichnungsnormen abseits der Firmenvorgabe.
Strategische Vorgaben legt das Unternehmen selbst fest: Dateispeicherpfad, überschriebene Massen, Rundungsreduktion, Rasteransichten, überschriebene Bemaßungen, Bohrungsinfos und Stücklisteneinträge, Migration und Fehlerstatus.
Nicht jede Abweichung stoppt die Freigabe
Prüfergebnisse werden erst durch eine Bewertung entscheidungsfähig. Bewährt haben sich drei Stufen:
Fehler müssen vor der Freigabe behoben werden, etwa überschriebene Bemaßungen oder das Material. Sie sperren die Freigabe oder erzeugen mindestens einen klaren Korrekturauftrag.
Warnungen sind technisch möglich, aber bewusst zu prüfen, etwa eine benötigte Migration oder ein aktualisierbarer Stil. Sie werden akzeptiert, wenn eine fachliche Begründung oder eine projektspezifische Ausnahme vorliegt.
Hinweise zeigen Aufräumpotenzial, etwa bei Version oder projizierten Kanten. Sie verbessern Datenqualität, Modellpflege und Wiederverwendbarkeit, ohne die Freigabe zu stoppen.
Die Reihenfolge beim Abarbeiten ergibt sich daraus: Fehler zuerst, dann Warnungen bewerten, Hinweise als Optimierungsliste nutzen.
Erst die Regeln, dann die Prüfung
Am Anfang steht ein CAD-Handbuch oder eine Konstruktionsrichtlinie. Daraus werden Prüfungen, Sollwerte und Bewertungen. Diese gehören in den Konstruktionsalltag und optional in den Vault-Freigabeprozess. Danach zeigen die Fehlermuster, welche Regeln nachgeschärft werden müssen.
Es muss nicht alles auf einmal sein. Pflicht-iProperties, Zeichnungsressourcen und Freiheitsgrade in Baugruppen liefern meist schnell sichtbaren Nutzen. Saubere Modelle sind außerdem die Voraussetzung für weitere Automatisierung, zum Beispiel bei der Zeichnungsableitung aus Inventor.
Automatisch gegen die eigenen Richtlinien prüfen lässt sich das direkt in Inventor, zum Beispiel mit dem 3D Model Inspector. Welche Regeln für Ihre Konstruktion sinnvoll sind, schauen wir uns gern gemeinsam an.
Themen: Maschinen- & Anlagenbau · Konstruktionsmethodik · Inventor · Vault
Fachbereich: Maschinen- & Anlagenbau
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Mathias Voigt
Fachbereichsleitung Maschinen- & Anlagenbau
„Die meisten Vault-Projekte scheitern nicht an der Software, sondern an Nummernkreisen, die vorher niemand festgelegt hat.“