Effiziente Ersatzteilverwaltung
Grafische und PDM-assoziative Ersatzteilkataloge im Einsatz
Ein Kunde meldet einen Motordefekt, die Maschine steht still. Der Servicetechniker kennt die Seriennummer, aber nicht die verbaute Variante. Im PDF-Katalog findet er nur das Standardprodukt. Rückfrage an die Konstruktion, Antwort dauert zwei Arbeitstage – drei Tage Stillstand und trotzdem ein falsches Teil bestellt. Genau dieses Szenario erleben Serviceorganisationen täglich.
In dieser Session zeigen wir, wie aus statischen Dokumenten ein grafischer Ersatzteilkatalog wird, in dem Bauteile direkt am 3D-Modell der tatsächlich verbauten Maschine identifiziert, angefragt und bestellt werden können – und wie Problemberichte aus dem Service direkt in den Engineering-Prozess zurückfließen.
Von der Konstruktion bis zum Servicetechniker im Feld
Die Gesamtarchitektur beginnt in der Konstruktion mit Inventor. Die Daten fließen in Vault für Versionierung und Stücklisten, Fusion Manage steuert die Prozesse und Workflows, und das Serviceportal macht diese Daten für Serviceteams zugänglich. Am Ende kann der Servicetechniker – oder sogar der Kunde selbst – Ersatzteile visuell am 3D-Modell der konkreten Maschine identifizieren. Kein Systembruch, keine manuelle Übergabe.
Der durchgängige Service-Prozess startet immer bei der konkreten Maschine beim Kunden, nicht beim Produkttyp im Katalog. Der Techniker navigiert zur betroffenen Baugruppe, wählt das defekte Bauteil aus, findet das passende Ersatzteil und fragt es an – oder erstellt direkt einen Problembericht, der strukturiert ins Change-Management überführt wird. Alle Ereignisse werden in der Service-Timeline der Maschine dokumentiert.
Das Serviceportal: Ersatzteile finden, anfragen und Probleme melden
Im Serviceportal sind alle servicefähigen Maschinen hinterlegt – eigene Anlagen oder die Maschinen des Kunden. Die assoziative Stückliste zeigt direkt, welche Teile bereits als Ersatzteile markiert sind. Per Klick lässt sich die Einbaulage im 3D-Modell anzeigen. Ist ein ERP angebunden, erscheint zusätzlich die Verfügbarkeit. Teile werden wie in einem Shop in den Warenkorb gelegt, Stückzahlen angepasst und die Anfrage abgesendet.
Auch Teile, die noch nicht als Ersatzteil deklariert sind, können angefragt werden – das System kennzeichnet sie entsprechend und nimmt sie in die Anfrage auf. Tritt ein wiederkehrendes Problem auf, erstellt der Techniker direkt im Portal einen Problembericht: Titel, Beschreibung, Priorität, betroffenes Item – alles im Kontext der Maschine erfasst. Von dort wechselt der Bericht automatisch in Fusion Manage, wo der weitere Workflow abgebildet wird: technische Analyse, Change Request, Change Order und schließlich Change Task zurück an den Konstrukteur.
Produkttyp vs. Instanz – warum Service an der konkreten Maschine stattfindet
In der Engineering-BOM gibt es viele identische Motoren – gleiche Artikelnummer, gleiche Spezifikation. Im realen Betrieb sieht das anders aus: Motor A läuft mit 40 Prozent Last, Motor B mit 85 Prozent, Motor C wird selten genutzt, Motor D wurde bereits ersetzt. Wer im Service nur den Produkttyp kennt, tappt im Dunkeln.
Der BOM-Instance-Editor verknüpft die Service-Ebene direkt mit diesen Instanzen. Wartungen, Ersatzteile und besondere Belastungen werden an der jeweiligen Komponente dokumentiert. Wird ein Ersatzteil benötigt, kann es im Kontext der tatsächlichen Maschinenkonfiguration identifiziert werden – nicht nur auf Basis der allgemeinen Stückliste. Die Service-Timeline bildet dabei die digitale Maschinenakte: Installation, Wartung, Ersatzteil, Problembericht und Änderung werden chronologisch erfasst und schaffen über die Zeit eine vollständige Historie jeder Maschineninstanz.
Beschaffung im Kontext: Procurement Insights und ERP-Anbindung
Neben der Teilidentifikation bietet das Portal Procurement Insights: Serviceteams sehen Lieferanten, Preise, Lieferzeiten und Verfügbarkeiten direkt am Ersatzteil – ohne Systemwechsel. Ist ein ERP angebunden, erscheinen Lagerbestände und Bestellmöglichkeiten in Echtzeit. Geplant ist zusätzlich ein automatischer Marktplatz-Abgleich: Das System durchsucht Ersatzteilbörsen und zeigt, wo ein benötigtes Teil am günstigsten oder schnellsten verfügbar ist – passend zur realen Maschine, nicht zum Standardkatalog.
Jede bestellte oder getauschte Komponente wird direkt an der Instanz gespeichert. Fällt dasselbe Teil regelmäßig aus, wird das über die Service-Timeline sichtbar und liefert die Grundlage für gezielte Wartungsstrategien. Aus dem Ersatzteilkatalog wird so Schritt für Schritt ein operatives Werkzeug für Service und Einkauf.
Vom Katalog zur Serviceplattform – neue Geschäftsmodelle im Maschinenbau
Wenn Maschineninstanzen digital erfasst und kontinuierlich überwacht werden, entsteht eine neue Ebene von Transparenz. Betriebsdaten zeigen, welche Komponenten unter welchen Bedingungen tatsächlich verschleißen. Unregelmäßigkeiten werden früher erkannt, und Erfahrungen aus einer Maschine lassen sich auf viele andere übertragen – kollektives Lernen der gesamten Flotte.
Daraus entstehen neue Servicemodelle: Zustandsbasierte Wartung ersetzt den Kalender durch tatsächliche Nutzungsdaten. Availability Services gehen noch weiter – der Hersteller garantiert eine bestimmte Verfügbarkeit der Maschine, statt nur Ersatzteile zu verkaufen. Maschineninstanzen werden damit zu einer wertvollen Datenressource: Die Maschine ist nicht mehr nur ein Produkt, sondern Teil eines datengetriebenen Service-Ökosystems. Der grafische Ersatzteilkatalog ist dabei nur der Einstieg.
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