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Von der Konstruktionsstückliste zur Fertigungsstruktur

Von der Konstruktionsstückliste zur Fertigungsstruktur

Assoziative BOM-Transformationen effizient meistern

Ein Produkt hat nicht nur eine einzige Struktur. Im Engineering beschreibt die Stückliste, wie das Produkt konstruiert ist. In der Produktion interessiert, wie es tatsächlich hergestellt wird. Im Service steht im Vordergrund, welche Komponenten gewartet oder ersetzt werden müssen. Alle drei Perspektiven sind fachlich korrekt – solange sie nicht die Verbindung zueinander verlieren.

In dieser Session zeigen wir, wie Fusion Manage die Transformation zwischen Engineering-BOM, Manufacturing-BOM und Service-BOM strukturiert unterstützt – nachvollziehbar, assoziativ und als Teil des Change-Prozesses.

Mehrere Strukturen, ein Produkt

Entlang des Produktlebenszyklus entstehen typischerweise mehrere Stücklistenstrukturen: im Engineering die E-BOM, in der Produktion die M-BOM. Während der Fertigung entsteht zusätzlich eine As-Build-BOM, die dokumentiert, welche konkreten Komponenten tatsächlich verbaut wurden. Im späteren Betrieb wird daraus die Service-BOM abgeleitet, die Ersatzteile und Wartungskomponenten strukturiert.

Die E-BOM entsteht direkt in der Konstruktion – typischerweise im CAD-System. In Vault verwaltet, wird sie über den Vault-Connector nach Fusion Manage synchronisiert, sodass dort immer die aktuelle Engineering-Struktur als Ausgangspunkt zur Verfügung steht. Sie beschreibt das Produkt in funktionaler, logischer Logik – ist aber noch nicht fertigungsbereit. Die Transformation zur M-BOM ist kein einfaches Kopieren, sondern eine gezielte Anpassung an die Anforderungen der Fertigung.

Der M-BOM-Editor: Engineering-Struktur für die Fertigung übersetzen

Die Transformation von E-BOM zu M-BOM läuft typischerweise in drei Schritten ab: Zunächst wird die Struktur an die Fertigungslogik angepasst – etwa durch Auflösen von Phantomstrukturen oder neue Gruppierungen. Im zweiten Schritt werden Fertigungsprozesse definiert, also Operationen und Routings. Im dritten Schritt folgen individuelle Anpassungen wie Mengenänderungen, Varianten oder Make-or-Buy-Entscheidungen.

Fusion Manage stellt dafür den M-BOM-Editor bereit. Links im Editor zeigt sich die E-BOM zusammen mit dem 3D-Viewer, rechts wird die M-BOM-Struktur aufgebaut. Im E-BOM-Alignment-Mode können Komponenten direkt aus der Engineering-Struktur übernommen und für die Fertigung neu organisiert werden. Unterbaugruppen lassen sich auflösen oder neu gruppieren – ganz so, wie es der tatsächliche Fertigungsprozess erfordert. Die Verbindung zur E-BOM bleibt dabei erhalten, sodass Änderungen weiterhin nachvollziehbar bleiben.

Montagereihenfolge, Komponentensplitting und mehrere Fertigungsstandorte

Im Editor ist jederzeit sichtbar, in welcher Reihenfolge Bauteile montiert werden – direkt am Modell hervorgehoben und im Editor farblich angezeigt. Alternativ steht der Disassemble-Mode zur Verfügung: Hier wird der Prozess umgekehrt gedacht – das Produkt wird virtuell zerlegt, und aus der Demontage-Reihenfolge ergibt sich automatisch die Montagereihenfolge für die Fertigung.

Positionen lassen sich gezielt splitten: Eine Schraube, die im Engineering als eine Position mit der Menge zwei existiert, kann in der Fertigung auf unterschiedliche Prozessschritte aufgeteilt werden. Mengen lassen sich anpassen, und Komponenten, die nicht Teil der E-BOM sind, können per Drag-and-Drop aus der Bibliothek ergänzt werden. Der Editor unterstützt außerdem mehrere M-BOMs für unterschiedliche Fertigungsstandorte – ein Produkt kann verschiedene Fertigungsstrukturen für verschiedene Werke haben, während die Verbindung zur E-BOM erhalten bleibt.

Die Service-BOM: Ersatzteile, Wartungskits und Serviceangebote

Neben Engineering und Produktion entsteht im späteren Betrieb eine weitere wichtige Perspektive: die Service-BOM. Sie konzentriert sich auf Ersatzteile, Wartungskomponenten und typische Serviceprozesse und besteht typischerweise aus drei Bereichen:

  • Ersatzteile: Komponenten, die im Servicefall austauschbar sind – übernommen aus der Engineering-BOM oder zusätzlich ergänzt.
  • Maintenance-Kits: Mehrere Komponenten zu einem Wartungssatz kombiniert, besonders sinnvoll für typische Servicefälle, bei denen mehrere Teile gleichzeitig ausgetauscht werden.
  • Serviceangebote: Komplette Servicepakete, etwa Wartungsarbeiten oder Upgrade-Pakete, denen konkrete Komponenten und Operationen zugeordnet werden.

Für den Aufbau dieser Struktur steht in Fusion Manage ein eigener Service-BOM-Editor bereit – visuell aufgebaut mit 3D-Viewer, E-BOM-Sicht und Service-Struktur nebeneinander. Komponenten, die in der Engineering-BOM bereits als Ersatzteile markiert sind, werden direkt angezeigt. Per „Add All Recommended" lassen sich alle vorgeschlagenen Teile automatisch übernehmen. Die Tabs sind konfigurierbar – Bereiche können umbenannt, hinzugefügt oder entfernt werden.

Mehrere Strukturen – ein Produkt, ein System

E-BOM, M-BOM und Service-BOM beschreiben dasselbe Produkt aus unterschiedlichen Perspektiven. Wenn PLM diese zentrale Rolle übernimmt, muss keine Struktur mehrfach gepflegt werden, Änderungen bleiben über alle Strukturen hinweg nachvollziehbar und Prozesse lassen sich über den gesamten Lifecycle kontrollieren.

Mehrere Stücklistenstrukturen sind nicht das Problem – unterschiedliche Perspektiven von Konstruktion, Produktion und Service sind fachlich sinnvoll und notwendig. Problematisch wird es erst, wenn diese Strukturen unkonsolidiert nebeneinander existieren. Wenn Transformation, Lifecycle und Change Management zusammenspielen, entsteht keine zusätzliche Komplexität, sondern Stabilität im Datenmodell: weniger manuelle Arbeit, weniger Fehler, kürzere Durchlaufzeiten und eine lückenlose Nachverfolgbarkeit vom Engineering bis zum Service.

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